Marktorientierte Steuerung: Strukturelle Voraussetzungen und innovative Konzepte
Das neue Hüllkurven-Impulspapier beschreibt einen innovativen Ansatz zur standardisierten Steuerung über die vorhandene Infrastruktur.
2026 wird ein Jahr mit grundlegenden marktwirtschaftlichen und regulatorischen Veränderungen im europäischen Stromsystem. Die zunehmende Volatilität der Strompreise, die Verschärfung der regulatorischen Rahmenbedingungen und die technologische Weiterentwicklung digitaler und dezentraler Energiesysteme machen erzeugungs- und verbrauchsseitige Flexibilität zu einem der entscheidenden Werttreiber der kommenden Jahre.
Viele der bisherigen Vertragsmodelle arbeiten mit dem monatlichen Marktwert und berücksichtigen dabei nicht die stark zunehmende Preisvolatilität an der Börse. Zusatzeinnahmen durch die Einspeisung während günstiger Preisphasen bleiben Anlagenbetreibern so verwehrt.
Anlagenbetreiber und energieintensive Unternehmen stehen damit vor einer Phase, in der wirtschaftlicher Erfolg, stärker denn je, an die Fähigkeit gekoppelt ist, dynamisch auf Marktsignale reagieren zu können. Viele Unternehmen nutzen die Möglichkeiten ihrer PV- oder Windkraftanlage noch nicht voll aus.
Dabei ermöglicht die flexible Direktvermarktung zu Spotmarktpreisen für neue Gewerbeanlagen eine Steigerung der Vermarktungserlöse von durchschnittlich 9 % – durch die automatische Abregelung bei negativen Strompreisen. Mit einem günstigen Einspeiseprofil oder Batteriespeicher lassen sich noch höhere Renditevorteile erzielen – auch für Bestandsanlagen.
Der Strommarkt entwickelt sich zunehmend zu einem volatilen, hochdynamischen System. Bis Ende Oktober 2025 wurden bereits 567 Stunden mit negativen Preisen verzeichnet – ein Plus von 26 % gegenüber dem gesamten Vorjahr. Zudem kommt es immer öfter zu Preisspitzen, welche weit über dem Monatsdurchschnitt liegen.
Der monatliche Marktwert ist ein geglätteter Durchschnittswert und eignet sich nicht, um Marktchancen zu nutzen, die sich durch solche kurzfristigen Preisschwankungen ergeben. Zudem sinkt der Marktwert Solar in zunehmendem Maße ausgerechnet in den ertragreichsten Sommermonaten und lag im Sommer teils bei unter 2 ct/kWh – trotz hoher Preisphasen mit über 20 ct/kWh in den Abendstunden. Gleichzeitig wachsen durch diese starke Preisspreizung die Opportunitätskosten. Denn die Spotvermarktung ermöglicht es, diese Preisdynamik zu nutzen, um hohe Erträge zu erwirtschaften.
.jpeg)
Die automatische Abregelung (auch: marktorientierte Abschaltung genannt) bei negativen Strompreisen durch den Direktvermarkter ist insbesondere für Neuanlagen ein wirksames Instrument, um Verluste durch Negativpreise zu vermeiden.
Mit der Verschärfung der EEG-Regelungen in negativen Preisstunden durch das Solarspitzengesetz verlieren Neuanlagen seit Februar 2025 die Marktprämie, sobald der Day-Ahead-Preis unter null sinkt. Eine Kompensation wird erst nach 20 Jahren gewährt. Für ältere Anlagen aus den Jahren 2016 bis 2025 gelten ab einer gewissen Mindestgröße Übergangsregelungen, bei denen die Marktprämie nur in längeren Phasen negativer Preise entfällt.
1. Die Marktprämie verliert in diesen Phasen ihre Funktion als Sicherheitspuffer.
2. Flexibilität wird regulatorisch belohnt – ungesteuerte Einspeisung wird sanktioniert.
Der Wegfall der Marktprämie lässt sich zwar nicht verhindern, doch durch die temporäre automatische Abregelung bei negativen Strompreisen können in der Spotvermarktung zumindest die Verluste bei den Vermarktungseinnahmen vermieden werden. Im Marktwertmodell lassen sich diese Ausfälle hingegen nicht vermeiden. Negativpreise fließen in voller Höhe in den monatlichen Durchschnittswert mit ein.
Unsere Untersuchungen mit realen Einspeisedaten zeigen zudem, dass betroffene Anlagen in unserem Portfolio durch automatische durch automatische Abregelung über die letzten 12 Monate hinweg 9 % höhere Vermarktungserlöse erzielt hätten als im Marktwertmodell (6 % bei Berücksichtigung der Marktprämie). Der Effekt steigt mit zunehmender Marktvolatilität, da sowohl Häufigkeit als auch Dauer von Negativpreisstunden zuletzt deutlich zugenommen haben. Für 2026 ist daher ein vergleichbares oder höheres Niveau wahrscheinlich.
Anlagen mit einem vorteilhaften Einspeiseprofil können noch bessere Resultate erzielen – z. B. durch Ost-West-Ausrichtung, Nachführungsfunktion oder regionale Wetterbedingungen.
Die Bedeutung von Batteriespeichern ist in diesem Jahr stark gewachsen und wird sich 2026 voraussichtlich noch einmal fundamental verschieben. Während Speicher über viele Jahre vor allem als Mittel zur Eigenverbrauchsoptimierung betrachtet wurden, werden sie heute zum aktiven Bestandteil einer marktorientierten Betriebsstrategie. Der Grund dafür ist klar: Die mit dem Ausbau der Erneuerbaren in Verbindung stehenden Preisschwankungen haben sich so stark verstärkt, dass die zeitliche Optimierung von Einspeisung und Verbrauch zu einem entscheidenden wirtschaftlichen Faktor geworden ist.
Batteriespeicher ermöglichen es heute, niedrige Preise gezielt zu vermeiden und stattdessen in Hochpreisphasen einzuspeisen. Dieser Effekt kann den wirtschaftlichen Betrieb einer Anlage nachhaltig verbessern und ihren ROI deutlich erhöhen.
Betrachtet man die aktuellen Entwicklungen – Preisvolatilität, regulatorische Änderungen, Speicherintegration, Verbrauchsflexibilität und Digitalisierung – so formt sich ein klares Bild für die nahe Zukunft: Die Spotvermarktung entwickelt sich für immer mehr Anlagentypen zur wirtschaftlichsten Vermarktungsform.
1. Jüngere Anlagen mit Regelungen zum Wegfall der Marktprämie bei negativen Strompreisen – hier greift die Kombination: Spotvermarktung + automatische Abregelung
2. Anlagen mit einem günstigen Einspeiseprofil: wetterbedingt, durch die Ausrichtung der Module oder durch Nachführfunktion.
3. Anlagen mit einem Batteriespeicher und Energiemanagementsystem
4. Post-EEG-Anlagen, welche durch Optimierungsmaßnahmen teilweise Einnahmen erzielen, welche die entfallene Förderung kompensieren oder übersteigen
Drei Gründe sind dafür entscheidend:
Das Marktwertmodell war für eine Zeit stabiler Preisverläufe geeignet. Doch in volatilen Marktsituationen bietet die Spotvermarktung die Chance zur zeitlichen Optimierung und somit ein höheres Einnahmepotenzial.
Die zunehmende Integration von Batteriespeichern, E-Fahrzeugen und weiteren Flexibilitäten bietet die Gelegenheit, auch die Einspeisung in ein preisbasiertes Energiemanagement einzubinden. Die Spotvermarktung bietet dafür die wirtschaftliche Grundlage.
Mit der Spotvermarktung verschieben Anlagenbetreiber Teile ihrer Einspeisung in Zeiträume, in denen weniger Strom im Netz ist. Sie entlasten dadurch die Stromnetze und sorgen für eine bessere Synchronisation von Erzeugung und Verbrauch. Diverse Gesetzesänderungen zielen darauf ab, dieses Vorgehen zu fördern. Betreiber, die frühzeitig auf die Spotvermarktung setzen, können davon profitieren.
Zusammenfassend kann festgehalten werden: Viele Anlagen erhalten durch die Spotvermarktung die Chance, den ROI ihrer Erzeugungsanlage deutlich zu steigern. Betreiber, die zögern, müssen damit rechnen, dass ihnen unter gewissen Voraussetzungen deutliche Mehreinnahmen entgehen.
Kontaktieren Sie uns gerne über unser Kontaktformular, wenn Sie Interesse an einem persönlichen Beratungsgespräch für Ihre Anlage oder Ihre Verbrauchsstrategie haben.
Über Lumenaza
Lumenaza bietet Software und Services für die Energiewende. Lumenazas leistungsstarke SaaS-Plattform ermöglicht es Versorgern, ihr Geschäft zu gestalten, zu steigern und weiterzuentwickeln, indem sie Produzenten und Verbraucher von grüner, dezentraler Energie miteinander verbindet. Das Berliner Unternehmen ermöglicht innovative Geschäftsmodelle, die auf dezentralen, erneuerbaren Energien basieren. Das Unternehmen mit Sitz in Berlin arbeitet mit Großkunden wie EnBW oder E.ON oder Stadtwerken sowie insbesondere neue Marktteilnehmern rund um grüne Energieversorgung zusammen.
Weitere Informationen: www.lumenaza.de
.avif)